Wie ist Adipositas definiert?
Anhand des BMI wird festgelegt, ob eine Person untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig oder adipös ist. Diese Einordnung wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgenommen. Bei Erwachsenen spricht man ab einem BMI von 25 von Übergewicht und ab einem BMI von 30 von Adipositas. Mit Hilfe des BMI lassen sich auch die Risiken für Begleiterkrankungen des Übergewichts abschätzen. Dabei gilt die folgende Faustregel: Je höher der BMI, desto höher ist auch das Risiko für Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und bestimmte Krebsarten.
| Kategorie | BMI | Risiko für Begleiterkrankungen |
| Normalgewicht | 18,5 - 24,9 | durchschnittlich |
| Übergewicht (Präadipositas) | 25 - 29,9 | gering erhöht |
| Adipositas Grad I | 30 - 34,9 | erhöht |
| Adipositas Grad II | 35 - 39,9 | hoch |
| Adipositas Grad III | ≥ 40 | sehr hoch |
Der BMI liefert wichtige Hinweise zum Gesundheitsrisiko, doch seine Aussagekraft unterscheidet sich je nach Herkunft, Alter und Lebensphase einer Person. Daher werden die Grenzwerte unterschiedlich bewertet und interpretiert.
Die oben dargestellten BMI-Werte beziehen sich auf Populationen aus westlichen Industrieländern. Da sich das Erkrankungsrisiko in Abhängigkeit vom BMI zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen unterscheiden kann, sollte die jeweilige Zugehörigkeit ebenfalls berücksichtigt werden. Bei asiatischen Personen treten Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 2 bereits unterhalb eines BMI von 25 gehäuft auf. Entsprechend wird in einigen Ländern bereits ab einem BMI zwischen 23 und 24,9 eine Therapie des Übergewichts angestrebt.
Die Berechnung des BMI ist grundsätzlich geschlechts- und altersunabhängig. Die sich daraus ableitende medizinische Empfehlung ist jedoch nicht für alle Altersgruppen gleich. So wird im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter bereits ab einem BMI von 25 (Übergewicht) eine Reduktion des Körpergewichts empfohlen, da das Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen mit zunehmendem Alter ansteigt. Zudem ist bei jüngeren Menschen mit Übergewicht oder Adipositas die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise hoch, dass es in den folgenden Jahrzehnten zu weiterer Gewichtszunahme kommt. Im höheren Lebensalter ist die Beratungssituation jedoch komplexer. Einerseits nimmt mit steigendem Alter die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen wie Krebs oder Herzinsuffizienz zu, bei denen eine ausgeprägte Gewichtsabnahme mit Blick auf die Überlebenschancen ungünstig sein kann. Es scheint so zu sein, dass eine kleine „Fettreserve“ dabei helfen kann, Therapien oder längere Krankheitsphasen besser zu überstehen. Andererseits stellt ein zu hohes Körpergewicht auch im höheren Alter einen Risikofaktor für Begleit- und Folgeerkrankungen dar. Es ist daher immer wichtig, die Vor- und Nachteile einer möglichen Gewichtsreduktion individuell abzuwägen., Ein weiteres Ansteigen des Körpergewichts sollte jedoch auch im höheren Alter möglichst vermieden werden. Dabei ist jedoch entscheidend, wo sich das Fett genau im Körper anlagert. Dieses Thema wird in Kapitel „Fettverteilungsmuster und der Einfluss auf das Gesundheitsrisiko“ genauer beleuchtet.
Auch bei Kindern und Jugendlichen lässt sich der Gewichtsstatus anhand von Körpergröße und Körpergewicht einordnen. Diese Werte werden jedoch, anders als bei Erwachsenen, mit Hilfe der für die Altersgruppe durchschnittlichen Gewichts- und Größenkurven in sogenannten Perzentilen eingeordnet, also die Abweichung von gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass das Körpergewicht Ihres Kindes zu hoch sein könnte, wenden Sie sich bitte frühzeitig an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Dort erhalten Sie eine individuelle Einschätzung und ggf. weitere Empfehlungen.