Stress messen
Neben den psychologischen Fragebögen, um das individuelle Stresserleben zu bewerten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Stress anhand der körperlichen Reaktionen zu messen.
Die selbst gemessenen durchschnittlichen Blutdruckwerte sollten unter 130/80 mmHg liegen. Bei akutem Stress steigen diese Werte an. Sobald der Stress vorbei ist, sinken sie bei gesunden Menschen wieder. Stehen wir unter Dauerstress, bleibt der Blutdruck jedoch dauerhaft hoch.
Neben Stress gibt es aber noch andere Faktoren, die den Blutdruck gelegentlich in die Höhe treiben. Beispielsweise Sport: Hier ist der Anstieg der Blutdruckwerte eine gesunde Kreislaufreaktion, weil die Muskeln mehr Sauerstoff und Energie benötigen.
Stress kann auch laborchemisch nachgewiesen werden. Hohe Cortisolwerte deuten auf eine andauernde Stressbelastung hin. Cortisol ist in Blut, Urin oder Speichel zu finden. Diese Methode der Stressmessung wird vorwiegend in wissenschaftlichen Studien eingesetzt. In hausärztlichen Praxen steht dieses Messverfahren leider nicht zur Verfügung.
Bei Stress steigt die Schweißproduktion. Wenn die Haut mehr schwitzt, leitet sie Strom besser und der so genannte Hautwiderstand wird kleiner bzw. die Hautleitfähigkeit nimmt zu. Mit Hilfe von Sensoren an Fingern oder Handflächen kann diese Leitfähigkeit gemessen werden. Eine erhöhte Hautleitfähigkeit ist ein Zeichen für akuten Stress. Diese Methode ist auch durch ihren Einsatz beim so genannten Lügendetektor bekannt geworden.
Dies ist die zuverlässigste Methode, um Stress zu messen. Bei der HRV wird ermittelt, wie sehr Stress das Herz belastet. Dafür werden die atemabhängigen Schwankungen des Pulses mit einem EKG (Elektrokardiogramm) gemessen. Das funktioniert so: Beim Einatmen steigt der Puls an, beim Ausatmen geht er wieder runter. Das ist eine gesunde und sinnvolle Reaktion. Je größer die Schwankungsbreite zwischen hoher und niedriger Pulsfrequenz ist, umso gesünder und vitaler ist unser Herz. Bei einem trainierten Menschen beträgt der Puls in Ruhe um die 65 Schläge pro Minute beim Einatmen und sinkt auf ungefähr 40 Schläge pro Minute beim Ausatmen. Ein Mensch mit Anzeichen von chronischem Stress hingegen hat durchgehend eine Herzfrequenz von ca. 70 bis 80 Schlägen pro Minute, fast völlig unabhängig vom Ein- oder Ausatmen. Messungen der Herzratenvariabilität werden in Deutschland vor allem in spezialisierten Praxen und Kliniken gemacht.
Wie reagiert Ihr Blutdruck auf verschiedene Situationen im Laufe des Tages? Messen Sie doch mal eine Woche lang mehrmals täglich Ihren Blutdruck.
Auf der nächsten Seite haben wir für Sie eine Übung zur Blutdruck-Selbstmessung vorbereitet.